Laufende Tilgung oder Sondertilgung – was ist besser?

Publiziert von Björn am Dienstag den 15.11.2011 um 17:36 Uhr

Das kommt auf den Zeitpunkt an werden einige jetzt spontan antworten. Doch lassen Sie uns das doch mal an verschiedenen Varianten mit Berechnungen belegen. Natürlich ist dies von Ihren persönlichen Gegebenheiten abhängig. Trotzdem sollten Sie die Vorteile einer laufenden Tilgung oder die Nachteile einer Sondertilgung kennen. Oder war es doch anders rum? Laufende Tilgung gegen Sondertilgung quasi Gewohnheit gegen Flexibilität.

Ausgangssituation

Wir sind eine nette kleine Familie und haben uns ein Einfamilienhaus gekauft. Dafür mussten wir ein Darlehen von 150.000 Euro aufnehmen. Dieses Darlehen haben wir auf 15 Jahre festgeschrieben da wir etwas mehr Sicherheit wollten und der dafür höhere Zinssatz sehr gering ausgefallen ist. Unser vereinbarter Zinssatz liegt bei 3,60% Sollzins über das gesamte Darlehen. Zudem haben wir zwei Optionen im Vertrag vereinbart: Sondertilgungen in Höhe von 5% der Darlehenssumme ab dem 2. Jahr der Zinsbindung (max. 7.500 Euro) und die Möglichkeit den Tilgungssatz zu ändern zwischen 1 – 10%. Am Anfang beginnen wir unser Darlehen mit einer Tilgung von 1% da wir erst sehen möchten wie sich die monatlichen Ausgaben in dem neuen Einfamilienhaus entwickeln. Ab dem 2. Jahr der Zinsbindung wollen wir allerding etwas mehr tun da die Ehefrau eine Gehaltserhöhung bekommt und wir natürlich unsere Gesamtlaufzeit verringern möchten. Es steht also die Frage im Raum: Ob wir die 200 Euro mehr sparen und als Sondertilgung einbringen oder ob wir monatlich 200 Euro mehr als laufende Tilgung einbringen?

Sondertilgung

200 Euro mal 12 Monate ergibt eine Sondertilgung in Höhe von 2.400 Euro am Ende des 2. Jahr der Zinsbindung. Dazu kommen noch Zinsen auf Ihren Sparbetrag gehen wir mal von 25 Euro aus ohne Abzug von Steuern. In Summe also eine Sondertilgung von 2.425 Euro ab dem Ende de 2. Jahr der Zinsbindung. Gehen wir zudem davon aus Sie machen dies jetzt bis zum Ende der Zinsbindung. Dann beträgt die Restschuld nach 15 Jahren – 79.294,02 Euro. Dabei wurde dreizehnmal jeweils am 31.12. jeden Jahres ab Ende des 2. Jahr der Zinsbindung eine Sondertilgung in Höhe von 2.425 Euro berücksichtigt.

Laufende Tilgung

Anstelle der Möglichkeit auf eine Sondertilgung zu sparen nutzen wir unsere 200 Euro sofort und beginnen gleich mit Beginn des 2. Jahr der Zinsbindung mit einer höheren Tilgung. Bedeutet unsere Belastung steigt von 575,00 Euro im Monat auf 775,00 Euro. Dies entspricht einer laufenden Tilgung von 2,60%. Die Restschuld am Ende der 15 Jahre Zinsbindung beträgt dann 76.600,71 Euro. Was genau genommen 2.693,31 Euro weniger sind. Selbst wenn Sie mit der laufenden Tilgung erst am 31.12. des 2. Jahr der Zinsbindung beginnen kommen wir auf eine Restschuld die „nur“ um 1.200,53 Euro höher liegt als die Sondertilgung.

Fazit

Eine höhere laufende Tilgung ist dem sparen auf eine größere Sondertilgung vorzuziehen. Sondertilgungen werden oft geplant aber nicht umgesetzt. Das Geld für die Sondertilgung wird dann zum Beispiel in Urlaube investiert. Ihre monatliche Rate sollte Ihnen trotzdem die wohl verdienten Urlaube ermöglichen und Sie niemals zu sehr einengen. Eine höhere laufende Tilgung, die man sich leisten kann und an die man sich gewöhnt, hat eine sofortige Ersparnis zu Folge die in der Regel höher ist als die Zinsen die Sie auf Ihre Sparbeiträge erhalten. Trotzdem ist eine Sondertilgung besser als gar keine Sondertilgung und keine höhere laufende Tilgung. Halten Sie dabei auch die Gesamtlaufzeit Ihres Darlehens im Auge sowie das Zinsänderungsrisiko.

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