Hilft der Gesamt-Effektiv-Zins beim vergleichen?

Publiziert von Björn am Donnerstag den 08.09.2011 um 09:53 Uhr

Kleine Änderungen mit großen Wirkungen. Andere Bezeichnungen oder andere Berechnungsweisen und schon weiß der normale Verbraucher nicht mehr worauf er jetzt achten muss um zu wissen welches Angebot wirklich das günstigste ist. Entweder recherchiert er es und beschäftigt sich länger damit oder der Verbraucher entscheidet aus dem Bauch heraus. Hilft der Effektiv-Zins beim vergleichen noch? Und wozu dient der Gesamt-Effektiv-Zins?

Die Änderungen zur Berechnung des Effektiv-Zins wurden am 11.06.2010 aufgrund der Verbraucherkreditrichtlinie in Deutschland eingeführt. Eigentlich sollte dem Verbraucher damit eine bessere Vergleichsmöglichkeit geboten werden. Die Richtlinie schrieb den Banken vor jetzt den Gesamt-Effektiv-Zins anzugeben anstelle des Effektiv-Zins für die Zinsbindung. Da Baufinanzierungen in der Regel nicht über die Gesamtlaufzeit des Darlehens abgeschlossen werden sondern in mehrere Zinsbindungen unterteilt sind, müssen die Banken einen Zins für die Anschlussfinanzierung unterstellen. Bei der Entscheidung welchen Zins die Banken für die Anschlussfinanzierung unterstellen sind diese frei. Es gibt insgesamt drei Möglichkeiten:

  • Gleicher Sollzinssatz wie für die erste Zinsbindung (wie alter Effektiv-Zins)
  • Höherer Sollzinssatz / Aufschlag (höherer Effektiv-Zins)
  • Referenzzinssatz / variabler Sollzinssatz (niedriger Effektiv-Zins)

Sie können sich sicherlich gut vorstellen das kaum eine Bank in Ihr Angebot rein schreibt das der Zinssatz für die Anschlussfinanzierung höher sein wird als der heutige. Viele Banken sehen das zwar als realistisch an doch würden Sie sich im Vergleich des Effektiv-Zinses mit anderen Banken schlechter stellen.

Der Referenzzinssatz wird gerne von Sparkassen angesetzt. Dabei kann es passieren dass der neue Effektiv-Zins günstiger ist als der Sollzins. Wohl gemerkt der neue Gesamt-Effektiv-Zins ist dann günstiger als der Sollzins aus dem sich Ihre monatliche Rate berechnet (Gedankenpause). Das sieht dann schön aus und sicherlich Fragen einige Verbraucher auch nicht warum das so ist. Realistisch und konservativ gerechnet ist dies allerdings sicherlich nicht!

Von vielen Banken wird als Anschlusszins der gleiche Sollzins unterstellt wie für die jetzt vereinbarte Zinsbindung (dies ist der Mittelweg). Damit ergibt sich ein Gesamt-Effektiv-Zins der genauso hoch ist wie der alte und bekannte Effektiv-Zins vor der Einführung der Verbraucherkreditrichtlinie vom 11.06.2010.

 Ein Beispiel dazu: Berechnung 1 Berechnung 2
Sollzinssatz (1. Zinsbindung) 4,49 % 4,49 %
Zinssatz für die Restlaufzeit 3,00 % 5,00 %
Gesamt-Effektiv-Zins 3,83 % 4,83 %
Alter-Effektiv-Zins 4,55 % 4,55 %


Bei Berechnung 1 und 2 zahlen Sie monatlich genau gleich viel obwohl der Effektiv-Zins um 1,00% höher ist bei Berechnung 2. Das liegt wie schon oben beschrieben an der neuen Berechnung des Effektiv-Zinses der ja jetzt ein Gesamt-Effektiv-Zins ist.

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