Neues Berufsbild: Der Darlehensberater

Publiziert von Björn am Montag den 29.08.2011 um 12:48 Uhr

Neben dem Darlehensvermittler soll jetzt auch der Darlehensberater etabliert werden. Dieser soll als Honorarberater im Sinne des Kunden agieren. Der Darlehensberater erhält für seine Arbeit ein Honorar was im Vorfeld mit dem Kunden abgestimmt wird. Folglich kann der Darlehensberater ohne wirtschaftlichen Druck den Kunden beraten und die optimale Finanzierungslösung unabhängig erarbeiten. Dazu wurde vom Bundesministerium für „Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz“ (BMELV) ein Eckpunkte-Papier heraus gegeben. Die Idee ist nicht neu und es gibt für Honorarberater auch einen Bundesverband (BVDH) der ähnliche Eckpunkte aufgestellt hat.

Die wichtigsten Punkte aus dem Eckpunkte-Papier des BMELV zum Darlehensberater:

  • Honorarberater werden unterschieden zwischen Versicherungsberater, Anlageberater und Darlehensberater. Zudem wird es einen Finanzberater geben der alle drei Themen abdecken kann.
  • Die Qualifikation und Sachkunde von Darlehensberatern soll mindestens die von Vermittlern entsprechen und dann sukzessive angehoben werden. Sowie Anforderungen an berufliche Fortbildungen umfassen.
  • Der Darlehensberater muss dem Kunden einen Marktüberblick verschaffen. In der Beratung müssen mehrere Anbieter, Produkte und Finanzierungsmöglichkeiten verglichen werden.
  • Es besteht eine Dokumentationspflicht für den Darlehensberater.
  • Der Darlehensberater soll die Produkte auch aktiv vermitteln.
  • Detaillierte gesetzliche Vergütungsregeln sollen ähnlich wie bei Rechtsanwälten und Architekten geschaffen werden (nicht zwingend).
  • Es dürfen keine wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen Produktanbietern und Darlehensberatern bestehen.
  • Der Darlehensberater darf keine Provision erhalten. Da einige Anbieter keine „Nettodarlehen“ anbieten und immer eine Provision gezahlt wird gäbe es dafür zwei Lösungswege: 1. Alle Darlehensgeber werden verpflichtet auch Nettodarlehen anzubieten (also ohne Provision). 2. Der Honorarberater wird dazu verpflichtet die Provision an den Kunden durch zuleiten.
  • Es soll eine Übergangsregelung vom Darlehensvermittler zum Darlehensberater geben.
  • Die Aufsicht über die Darlehensberater wird der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zugesprochen.
  • Bundesregierung muss die Akzeptanz bei Verbraucher unterstützen (Aufklärung).

Das sind die wichtigsten Punkte aus dem Eckpunkte-Papier vom BMELV zusammengefasst. Sie können auch hier die komplette Ausführung nachlesen. Vergleichen wir diese Punkte doch mal mit den Forderungen des „Berufsverband deutscher Honorarberater“ (BVDH). Ich zähle dabei nur die Punkte aus dem Thesenpapier 2/2011 auf die den Darlehensberater betreffen und sich überschneiden:

  • Kein nebeneinander von Provisionen und Honoraren
    Der BVDH spricht sich hier ganz klar für die Produkte ohne Provision (Nettodarlehen) aus.
  • Erhaltung des Provisionsabgabeverbotes
    Hier gibt es einen Unterschied (wobei der BVDH sich hauptsächlich auf Versicherungsprodukte bezieht). Und zwar ist der BVDH der Meinung dass durch die Erhaltung des Provisionsabgabeverbotes an Kunden die Anbieter zur Schaffung von echten Netto-Produkten gezwungen wären.
  • Beweislastumkehr zu Gunsten der Kunden
    Das würde mit der Dokumentationspflicht des Darlehensberaters übereinstimmen.
  • Zusätzlich wird vom BVDH noch folgendes gefordert:
    Steuerliche Absetzbarkeit von Beratungshonoraren und Schutz des Begriffs „Honorarberatung“.

Alles sehr gute Ansätze die im Detail natürlich noch ausgearbeitet werden müssen. Unproblematische Bürokratie für Darlehensberater und Steuervergünstigungen für Kunden würden das Berufsbild zusätzlich beflügeln. Wobei ich Ihnen die Frage „Ob sich Honorarberatung durchsetzen wird?“ nicht beantworten kann. Es gibt mehrere Studien die eine Akzeptanz in der Bevölkerung festgestellt haben. Aber es gibt auch Studien die andere Ergebnisse vorweisen. Oft reicht der Blick auf den Auftraggeber der Studie und Sie werden wissen warum das eine oder andere Ergebnis zu Stande gekommen ist.

Wie viele Personen kennen Sie die eine Honorarberatung in Anspruch genommen haben?
Bei mir reichen zum zählen meine zehn Finger.

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