Passivhaus - Merkmale, Kennzahlen, Förderung und Kritik

Publiziert von Björn am Dienstag den 10.01.2012 um 10:53 Uhr

Was ist ein Passivhaus und warum sollte ich so ein Haus bauen? Gute Frage und vielen Dank an Ralf der uns diese Frage per Email gestellt hat. Um sich einen schnellen Überblick über die Bauweise "Passivhaus" zu verschaffen haben wir die wichtigsten Merkmale, Kennzahlen, Kritiken und Wohngefühle zusammengefasst.

Merkmale eines Passivhaus

  • Es wird auf eine klassische Heizung (Gas/Öl) verzichtet.
  • Das Passivhaus ist optimal gedämmt, sodass kaum Wärme/Energie verloren geht.
  • Der Energiebedarf wird durch passive Energiequellen wie Sonne, Abwärme von Personen / Geräten und Wärmerückgewinnung gedeckt.
  • Im gesamten Haus befindet sich eine ausgeklügelte Be- und Entlüftungsanlage (keineKlimaanlage mit Umluftbetrieb).
  • Ein Passivhaus stellt sehr hohe Qualitätsanforderungen an Baustoffe, Dämmung und Bauleistung. Es soll Luftdichtheit und eine wärmebrückenfreie Konstruktion erreicht werden.
  • Die Mehrkosten für ein Passivhaus beginnen bei 5% für große Gebäude wie Verwaltungsgebäude oder Schulen und gehen bis zu 10% für kleine Gebäude wie Einfamilienhäuser.

Kennzahlen zum Passivhaus

  • Heizbedarf maximal 15 Kilowattstunden je Quadratmeter und Jahr. (Werte bestätigt vom ersten Passivhaus Darmstadt Kranichstein, gebaut 1991)
  • Primärenergiebedarf maximal 120 Kilowattstunden je Quadratmeter und Jahr inkl. Haushaltsstrom.
  • Oberflächentemperatur am Fensterglas + 17 Grad bei einer Außentemperatur von - 16 Grad. Dies wird durch spezielle Passivhausfenster erreicht.
  • Bei Leerstand des Gebäudes und extremen Außentemperaturen kühlt das Passivhaus maximal + 15 Grad ab.

Förderung Passivhaus

  • Die KfW Bank fördert den Neubau (KfW Programm 153) eines Passivhaus oder die Sanierung (KfW Programm 151) zum Passivhaus.
  • Beim Neubau kann maximal ein zinsgünstiges Darlehen in Höhe von 50.000 Euro für jede Wohneinheit beantragt werden.
  • Bei der Sanierung kann maximal ein zinsgünstiges Darlehen in Höhe von 75.000 Euro je Wohneinheit vor der Sanierung beantragt werden.
  • Zu den sehr günstigen Konditionen gibt es nach Fertigstellung und Bestätigung durch den Fachmann zudem noch einen Tilgungszuschuss. Die Höhe richtet sich nach den erreichten Werten Ihres Passivhaus und kann bis zu 12,50% bei Sanierung und 10,00% bei Neubau der Darlehenssumme betragen.

Wohnen im Passivhaus

  • Im Passivhaus herrscht eine angenehme Raumtemperatur. Im heißen Sommer wird die Innentemperatur von + 24 bis + 25 Grad nicht überschritten.
  • Sie können die Fenster im Passivhaus jederzeit öffnen. Sie sollten nur daran denken, dass dies in der Regel nicht notwendig ist. Die Be- und Entlüftungsanlage transportiert die verbrauchte Luft nach draußen. Energietechnisch ist längeres Lüften z. B. im Winter nicht sinnvoll. Dauerhaft gekippte Fenster sind zu vermeiden und haben keinerlei Vorteile da genügend frische Luft über die Lüftungsanlage kommt.
  • Sollte es im Winter zu kühl im Passivhaus sein (fehlende Sonnenstrahlen) kann die Ergänzungsheizung über die Wintermonate (September bis März) angestellt werden.
  • Allergiker z. B. gegen Heuschnupfen haben mit dem Passivhaus die Möglichkeit einen zusätzlichen Pollenfilter in die Lüftungsanlage einzubauen. Bei dauerhaft geschlossenen Fenstern sollte Ihr Passivhaus damit Pollenfrei sein.

Kritik am Passivhaus

  • Die höheren Baukosten stellen wohl den größten Kritikpunkt dar. Es gibt zudem kaum Vergleichsberechnungen bezüglich der Wirtschaftlichkeit mit aktuellen Neubauten z. B. KfW 70er Haus. Hier ein Vergleich von August 2010 mit einem Standardhaus nach EnEV 2009.
  • Sehr gute Wärmeisolierung, Be- und Entlüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung sowie Dreifachverglasung sind keine Alleinstellungsmerkmale des Passivhaus mehr. Darauf wird immer mehr bei konventionellen Neubauten geachtet.
  • Noch ist nicht klar, ob der höhere Materialeinsatz und der damit verbundene höhere Energiebedarf zur Herstellung der hochwertigen Materialien sich unter Umweltschutzgesichtspunkten amortisieren wird.

Fazit zum Passivhaus

Um einen seriösen Vergleich zwischen Passivhaus und Neubau mit konventioneller Heizung erstellen zu können müssen die Betriebs-/Energiekosten ebenfalls berücksichtigt werden. Da die Höhe der steigenden Energiekosten nicht vorausgesagt werden kann bestehen solche Berechnungen immer aus Annahmen. Sie sollten deshalb für sich selbst vergleichen, ob ein Passivhaus oder ein KfW 70er Haus wirtschaftlicher ist. Zudem sollten die Gesamtkosten immer im Rahmen Ihrer finanziellen Möglichkeiten liegen. Klar ist: Mit einem Passivhaus sind Sie unabhängig von Energielieferanten. Sie benötigen nur noch Strom und kein Gas, Öl oder Holz.

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